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„…..dem niemals fiel das Wandern ein..!“

Kleine Geschichte des Wanderns

Das Wandern scheint uns ein simpler Vorgang zu sein und wird doch in zahlreichen Varianten durchgeführt. Bergwandern, Fernwandern und Sportwandern sind wohl am weitesten verbreitet. Als sportliche Betätigung hat Wandern eine noch junge Geschichte. Ursprünglich diente es doch eher der Fortbewegung und Überwindung von Distanzen.

 

Die erste Wanderung, die offenbar nur dem Vergnügen diente, unternahm 1336 der Italiener Francesco Petrarca mit seinem Bruder. Wie historische Quellen berichten, bestiegen die beiden den 1.900 m hohen Mont Ventoux. In den nachfolgenden Jahrhunderten sind nur wenige Wanderungen dieser Art dokumentiert.

 

Aber auch im mittelalterlichen Deutschland war der Begriff des Wanderers bekannt. 1353 werden in einem Vertrag über die Raubritterburg Daun in der Eifel „Kaufleute, Pilger, Wanderer und gemeine Leut“ erwähnt, die aus der Burg überfallen wurden.

Für lange Zeit wanderte man nur auf religiös motivierten Pilgerreisen oder auf der Walz, wie die Wanderjahre von Handwerkergesellen genannt wurden.

 

Erlebnis Natur
Die Wahrnehmung der Natur als etwas Schönes und Begeisterndes brachte erst die Aufklärung mit sich. Besonders in der nachfolgenden Romantik wurde das Wandern als Lebensphilosophie entdeckt. Man suchte die Einsamkeit, um in ihr den Kosmos in sich selber zu finden.

 

Gerade in dieser Zeit entstanden zahlreiche Skizzen der Natur, Gemälde und Kupferstiche. Die Künstler machten so die erwanderten Regionen durch ihre Bilder bekannt. Für die wohlhabende Schicht gehörte es bald zum guten Ton, diese Landschaften selbst zu sehen. Allerdings war die damalige Kleidung, gerade die der Frauen, nicht wirklich wandertauglich. Also ließ man sich, wer es sich leisten konnte, mit Sänften zu den Aussichten tragen. Später nahm man auch Kutschen oder gar die Eisenbahn um zu den Ausgangspunkten in der Natur zu gelangen. Das Wandern wurde salonfähig.
Auch in der Literatur fand das Wandern seinen Niederschlag, beispielsweise bei Emanuel Geibel (1815-1884 Lübeck): "Wer recht in Freuden wandern will, // Der geh' der Sonn' entgegen."

 

Wandervereine
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer zunehmenden Institutionalisierung des Wanderns durch Wander- und Gebirgsvereine. Sie gingen oft aus Studentenvereinigungen hervor. 1862 wurde der Österreichische Alpenverein als erster Bergsteigerverband des europäischen Festlands und damit als zweitältester der Welt nach dem britischen „Alpine Club“ gegründet. Am Ende des Gründungsjahres zählte man bereits über 600 Mitglieder.

 

Diese meist bürgerlichen und heimatverbundenen Vereine leisteten Pionierarbeit in der Erschließung der Natur durch Wanderwege, Wegweiser, Wanderkarten, Schutzhütten und Aussichtstürme. Nach einem Bergwanderunfall wurde im Jahre 1896 die weltweit erste Bergrettungsstelle im steiermärkischen Mürzzuschlag gegründet.

 

Es waren vor allem bürgerliche und wohlhabende Kreise, die es sich leisten konnten, die Natur zu erwandern. Erst die 1895 in Wien gegründeten Naturfreunde ermöglichten das Wandern auch für eine proletarische Schicht. Sie eröffneten die ersten Naturfreundehäuser, in denen Wanderer billig übernachten und Ferien machen konnten.

 

Jedem das Seine
Zur Unterstützung beim Gehen verwenden viele Menschen statt des traditionellen hölzernen Wanderstabs Nordic-Walking-Stöcke oder andere moderne Metallstöcke. Der bewusst aufrechte Gang, das rhythmische Schwingen der Arme, das Abdrücken mit den Stöcken hinter den Beinen beim Nordic-Walking erweitert das Bewegungstraining auf den ganzen Körper. Gerade für Menschen mit Rückenproblemen fördert die behutsame Beanspruchung dieser Körperregion eine Stärkung der Rückenmuskulatur.

 

Beim „Wandern ohne Gepäck“, wird sämtliches Gepäck von Hotel zu Hotel transportiert. Der scheinbar besondere Komfort bringt allerdings die Einschränkung, nur auf jenen vorgegebenen Strecken wandern zu können, auf denen in Schutzhütten Proviant zur Verfügung steht.

 

In den letzten Jahren hat auch das Pilgern und Wallfahrten wieder an Beliebtheit gewonnen. Viele Menschen nutzen diese Art des Wanderns als Möglichkeit unserer schnelllebigen Welt für einige Zeit zu entkommen.

 

Zum Winterwandern benötigt man meist umfangreichere Ausrüstung. Auf jeden Fall empfehlen sich Wanderstöcke und unter Umständen auch Schneeschuhe.
„Speed Hiking“ dient Wintersportlern und da vor allem Langläufern als Aufbautraining.

 

Mittlerweile gibt es auch außergewöhnliche Wandertechniken wie Nacktwandern, Barfußwandern oder Geocaching.

 

Letzteres ist wohl die derzeit modernste Form. Denn es handelt es sich um eine weltweite Schnitzeljagd, in der mittels GPS-Gerät auf Schatzsuche gegangen wird. Die abenteuerlustigen Schnitzeljäger suchen sich auf einer Webseite die Koordinaten des „Caches“ oder Verstecks und wandern dann mithilfe des Navigationsgeräts zur angegebenen Stelle. Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie verschiedene Tauschgegenstände befinden. Jeder Besucher trägt sich in das Logbuch ein, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Anschließend wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde. Der Fund wird im Internet auf der zugehörigen Seite vermerkt und gegebenenfalls durch Fotos ergänzt. So können auch andere Personen – insbesondere der „Verstecker“ oder Eigentümer die Geschehnisse rund um den Geocache verfolgen.